FAZ-Artikel Lebenshilfe aus der Praxis

Seniorpartner helfen seit zehn Jahren Schülern

bie. OBERURSEL/BAD HOMBURG. Das Prinzip Fördern und Fordern gilt ganz sicher für die Schüler, denen der Verein für Internationale Jugendarbeit lebenserfahrene Menschen zur Seite stellt. Diese unterstützen sie bei der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz, geben ihnen Selbstvertrauen und halten sie dazu an, ihre Chancen zu sehen und auch zu nutzen. Aber auch den Seniorpartnern verlangt ihr ehrenamtliches Engagement einiges ab, wie der Vereinsvorsitzende Sven-Michael Slottko zum runden Geburtstag des Projekts „Justament“ sagte.

Manchmal dauere es etwas, bis man von jungen Leuten eine positive Rückmeldung bekomme. Und es heiße für die Seniorpartner, die sich manchmal schon im Ruhestand befänden und sich einer freien Zeiteinteilung erfreuten, ihre Urlaubsplanung plötzlich wieder nach den Ferienterminen richten zu müssen.

2008 begann „Justament“ an der Oberurseler Erich-Kästner-Schule, bevor sich das Angebot auf die Friedrich-Stoltze-Schule in Königstein, die Bad Homburger Gesamtschule am Gluckenstein und die Integrierte Gesamtschule Stierstadt ausdehnte. In den zehn Jahren hätten 80 Seniorpartner insgesamt 1500 Schüler betreut, sagte Slottko. 45 seien heute aktiv und kümmerten sich um 220 Haupt- und Realschüler. Alle zwei Wochen kommen die Seniorpartner für anderthalb Stunden in die Schulen, um die Stärken ihrer Schützlinge kennenzulernen und ihnen eine Vorstellung von einem möglicherweise passenden Beruf zu vermitteln. „Die Schüler merken, dass ihnen jemand zuhört“, sagte Slottko.

Das Projekt sei schon mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, sagte der Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) jüngst bei der Geburtstagsfeier in der Bad Homburger Villa Wertheimber. Die größte Anerkennung seien jedoch die Erfolge der Schützlinge, die eine Ausbildung beginnen könnten. Wo schon Vereine Schwierigkeiten hätten, Posten zu besetzen, sei das ehrenamtliche Engagement für andere umso bemerkenswerter. Die Erfahrung der Seniorpartner aus der Praxis ist für die ehemalige Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) ein besonderes Kennzeichen von „Justament“. Für manche Schüler sei es eine neue Erfahrung, dass sie von Erwachsenen ernst genommen würden. Von den Mentoren gebe es keine Noten, sondern gute Ratschläge, handfeste Anweisungen und Kontakte in die „Außenwelt“. Schon als Ministerin sei es ihr wichtig gewesen, die Schulen für Handwerker, Banker oder Personalchefs zu öffnen.

Wer sich für das Projekt „Justament“ interessiert, kann sich unter den Telefonnummern 0 61 71 / 5 08 20 13 und 0 61 72 / 1 39 73 94 oder der E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an den Verein für Internationale Jugendarbeit wenden.

FAZ 4.9.2018

 

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